Posts tonen met het label Duitstalige literatuur: poëzie. Alle posts tonen
Posts tonen met het label Duitstalige literatuur: poëzie. Alle posts tonen

zaterdag 11 april 2009

Twee lente-gedichten van Joseph von Eichendorff

Frühlingsnacht

Überm Garten durch die Lüfte
Hört' ich Wandervögel ziehn,

Das bedeutet Frühlingsdüfte,

Unten fängt's schon an zu blühn.


Jauchzen möcht' ich, möchte weinen,

Ist mir's doch, als könnt's nicht sein!

Alte Wunder wieder scheinen

Mit dem Mondesglanz herein.


Und der Mond, die Sterne sagen's,

Und in Träumen rauscht's der Hain,

Und die Nachtigallen schlagen's:

Sie ist deine, sie ist dein!


* * * * *


Mondnacht


Es war, als hätt' der Himmel

Die Erde still geküßt,

Das sie im Blütenschimmer
Von ihm nun träumen müßt'.

Die Luft ging durch die Felder,
Die Ähren wogten sacht,

Es rauschten leis' die Wälder:

So sternklar war die Nacht.


Und meine Seele spannte

Weit ihre Flügel aus,

Flog durch die stillen Lande,

Als flöge sie nach Haus.


__________

Joseph Karl Benedikt, Freiherr von Eichendorff (1788-1857)

Beide Gedichte wurden vertont von Robert Schumann (1810-1856)
____________
Afbeeldingen
1. Joseph von Eichendorff.
2. Robert Schumann. Getekend door Jolien Eijkhout, Groningen, 2005.

maandag 29 december 2008

Friedrich Rückert (1788-1866) — Zeit und Ewigkeit

Bezinning
In perioden van terugblikken en andersoortige beschouwelijkheden, zoals de laatste dagen van het jaar, passen sommige teksten beter dan andere omdat ze ook getuigen van bezinning op elementen die in een mensenleven onontkoombaar zijn, maar die niet altijd bewust worden ervaren, doch waarvoor sommige schrijvers, en vooral dichters, zeer adequate bewoordingen hebben gevonden. Eén van hen is de Duitse dichter Friedrich Rückert, die in zijn gedichtenreeks Die Weisheit der Brahmanen schrijft over tijd en eeuwigheid.


Zeit und Ewigkeit

Du fragst, was ist die Zeit? Und was die Ewigkeit?
Wo hebt sich Ewiges an und hebet auf die Zeit?
Die Zeit, sobald du sie aufhebst, ist aufgehoben,
wo dich das Ewige zu sich erhebt nach oben.
Die Zeit ist nicht, es ist allein die Ewigkeit,
die Ewigkeit allein ist ewig in der Zeit.
Sie ist das in der Zeit sich stets Gebärende,
als wahre Gegenwart die Zeit Durchwährende.
Wo die Vergangenheit und Zukunft ist geschwunden
in Gegenwart, da hast du Ewigkeit empfunden.
Wo du Vergangenheit und Zukunft hast empfunden
als Gegenwart, da ist die Ewigkeit gefunden.
__________

Uit: Die Weisheit des Brahmanen (1835-36)
Tevens opgenomen in de Reclam-bundel Gedichte
herausgegeben von Walther Schmitz
Philipp Reclam jun., Stuttgart (1988)
RUB 3672; ISBN 978-3-15-003672-0

zaterdag 8 november 2008

Friedrich Nietzsche (1844-1900) over de Herfst

Vereinsamt

Die Krähe schrein
Und ziehen schwirren Flugs zur Stadt:
Bald wird es schnein —
Wohl dem, der jetzt noch — Heimat hat!

Nun stehst du starr,
Schaust rückwärts ach! wie lange schon!
Was bist du Narr
Vor Winters in die Welt entflohn?

Die Welt — ein Tor
Zu tausend Wüsten stumm und kalt!
Wer das verlor,
Was du verlorst, macht nirgends halt.

Nun stehst du bleich,
Zur Winter-Wanderschaft verflucht,
Dem Rauche gleich,
Der stets nach kältern Himmeln sucht.

Flieg Vogel, schnarr
Dein Lied im Wüsten-Vogel-Ton! —
Versteck, du Narr,
Dein blutend Herz in Eis und Hohn!

Die Krähen schrein
Und ziehen schwirren Flugs zur Stadt:
— bald wird es schnein,
Weh dem, der keine Heimat hat!













Der Herbst

Dies ist der Herbst: der bricht dir noch das Herz!
Fliege fort! fliege fort! —
Die Sonne schleicht zum Berg
Und steigt und steigt
Und ruht bei jedem Schritt.

Was ward die Welt so welk!
Auf mild gespannten Fäden spielt
Der Wind sein Lied.
Die Hoffnung floh —
Er klagt ihr nach.

Dies ist der Herbst: der — bricht dir noch das Herz!
Fliege fort! fliege fort!
O Frucht des Baums,
Du zitterst, fällst?
Welch ein Geheimnis lehrte dich
Die Nacht,
Daß eisger Schauder deine Wange,
Die Purpur-Wange deckt? —

Du schweigst, antwortest nicht?
Wer redet noch! — —

Dies ist der Herbst:
der — bricht dir noch das Herz!
Fliege fort! fliege fort!
»Ich bin nicht schön
— so spricht die Sternenblume —,
Doch Menschen lieb ich
Und Menschen tröst ich —

Sie sollen jetzt noch Blumen sehn,
Nach mir sich bücken
Ach! und mich brechen —
In ihrem Auge glänzet dann
Erinnerung auf.
Erinnerung an Schöneres als ich: —
Ich seh's, ich seh's — und sterbe so.« —

Dies ist der Herbst: der — bricht dir noch das Herz!
Fliege fort! fliege fort!

Friedrich Nietzsche (1844-1900)
Aus: Gedichte

zaterdag 1 november 2008

Novalis: Geschichte der Poesie

Goethe ist jetzt der wahre Statthalter des poetischen Geistes auf Erden.

GESCHICHTE DER POESIE

Wie die Erde voller Schönheit blühte,
Sanftumschleiert von dem Rosenglanz
Ihrer Jugend, und noch bräutlich glühte
Aus der Weihumarmung, die den Kranz
Ihrer unenthüllten Kindheit raubte,
Jeder Wintersturm die Holde mied,
O! da säuselt durch die belaubte
Myrte Zephir sanft das erste Lied.

Eva lauschte im Gebüsch daneben
Und empfand mit Jugendphantasie
Dieser Töne jugendliches Leben
Und die neugeborne Harmonie.
Süßen Trieb empfand auch Philomele
Leise nachzubilden diesen Klang,
Mühelos entströmte ihrer Kehle
Sanft der göttliche Gesang.

Himmlische Begeistrug floß hernieder
In der Huldin reingestimmte Brust,
Und ihr Mund ergoß in Freudenlieder
Und in Dankgesängen ihre Lust,
Tiere, Vögel, selbst die Palmenäste
Neigten staunender zu ihr sich hin.
Alles schwieg, es buhlten nur die Weste
Froh um ihre Schülerin.

Göttin Dichtkunst kam in Rosenblüte
Hoher Jugend eingehüllt herab
Aus dem Äther, schön wie Aphrodite,
Du ihr Ozean das Dasein gab.
Goldne Wölkchen trugen sie hernieder,
Sie umfloß der reinste Balsamduft,
Kleine Genien ertönten Lieder
In der tränenlosen Luft.

NOVALIS
(d.i. Georg Friedrich Philipp Freiherr von Hardenberg — 1772-1801)
Uit: Das lyrische Werk 1788-1793
__________

Zie eveneens de bijdrage met Aforismen van deze zelfde auteur, op onze zustersite Tempel der Wijze Woorden van heden.
__________
Afbeelding: Novalis; foto naar een marmeren borstbeeld van Fritz Schaper (1841-1919).